Briefwechsel mit der DGU

Briefwechsel mit der DGU

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Lars G Petersson 25.01.2011

An

Deutsche Gesellschaft für Urologie

Der Vorstand

Uerdinger Straße 64

D – 40 474 Düsseldorf

 

Sehr geehrte Damen und Herren!

Anlass meines Schreibens ist eine Pressemitteilung der DGMG die am 09.02.2011 veröffentlicht wurde und welche seit dem durch verschiedene Printmedien (z. B. “Apotheken Umschau” 5/2011 B) und durch das Internet geistert (1)*. In dieser Stellungnahme wurde von Prof. Dr. Frank Sommer, Präsident der DGMG und Professor für Männergesundheit am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf der Wegfall der Musterungsuntersuchungen durch die Aussetzung der Wehrpflicht beklagt und die „berüchtigte“ Intimuntersuchung implizit mit einer flächendeckenden Vorsorgeuntersuchung gleichgesetzt. Google Mail – Pressemitteilung der DGMG vom 09.02.2011 https://mail.google.com/mail/?ui=2&ik=6b30766167&view=pt&search… 1 von 6 06.04.2012 19:41

Ich bin Schriftsteller und Initiator der BASTA-Kampagne, einer Initiative, die sich u. a. gegen Erniedrigung und sexuellen Übergriffen bei medizinischen Tauglichkeitsuntersuchungen (im Folgenden der Einfachheit halber generell als Musterung bezeichnet) der Bundeswehr und ihrer Behörden wendet. Ergebnisse meiner Recherchen zu diesem Thema habe ich in einem Buch („Musterung- Staatlich legitimierte Perversion“) veröffentlicht.

Aufgrund meiner Kenntnisse über die Musterungspraxis in Deutschland bin ich über die Ausführungen der DGMG und des Professor Dr. Sommer sehr irritiert und frage mich, was ihn wohl zu dieser Stellungnahme bewogen haben mag. Vor allem aber interessiert mich Ihre Haltung zur Art und Weise, wie man mit Menschen bei Untersuchungen umgehen darf und wie Sie sich eine qualifizierte Vorsorge für Männer vorstellen.

Nach Einschätzung der Unterstützer der BASTA-Kampagne in Deutschland handelt es sich bei der Musterung um eine systematisch betriebene Form der sexuellen Entwürdigung, die vom BMVg und seinen territorialen Wehrverwaltungen bewusst angewendet wird. Dies möchte ich im Folgenden begründen. Dabei muss ich Sie leider um etwas Geduld und Ausdauer bitten, da es mir notwendig erscheint, eine grundlegende Information zu präsentieren, die etwas umfangreicher ist.

(1) siehe Anlage 1. Die Ziffern in den Klammern ( ) sind der Hinweis für den entsprechenden Text, der als Anlage diesem Schreiben beigefügt ist. Von jedem Arzt oder Ärztin erwartet jeder zu Recht einen respektvollen Umgang und Rücksichtnahme auf das Schamgefühl, zumal bei einer Intimuntersuchung, und natürlich auch eine entsprechende ärztliche Qualifikation wie es dem ärztlichen Berufsethos entspricht (2). Für eine qualifizierte urologische Vorsorgeuntersuchung ist nach meinem Kenntnisstand aus verschiedenen Gründen eine entsprechende fachärztliche Ausbildung erforderlich. Frauen bei der Bundeswehr wird dies im Fall einer urologischen oder gynäkologischen Fragestellung zugestanden wie auch der Schutz des Schamgefühls.

Für Männer ist bei der Musterung konzeptionell weder das Eine noch das Andere gegeben. Zum Untersuchungsritual gehören erzwungene Nacktheit, oft ohne Sichtschutz in Gegenwart weiblicher Assistentinnen sowie die Nötigung zur Intimuntersuchung durch das andere Geschlecht. In den Kasernen ließen die oftmals rein weiblichen Untersuchungsteams zu Zeiten der Wehrpflicht zu Beginn eines jeden Quartals die eingezogenen Männer gleich kompanieweise nacheinander zur Untersuchung antreten. In der Minderzahl der Fälle waren es nach unseren Recherchen männliche Ärzte, die die Musterung vornahmen, aber immer waren es weibliche Sanitätssoldatinnen, die als Truppenarztschreiberinnen anwesend waren – auch wenn genügend männliche Soldaten alternativ zur Verfügung standen. Das Letztere ist eigentlich immer der Fall, da trotz Quotenregelung immer noch mehrheitlich Männer im Sanitätsdienst arbeiten. Wer für diese Art der doch sehr auffälligen Dienstplangestaltung verantwortlich war, konnte durch uns bisher noch nicht sicher ermittelt werden. Nur in einem von uns recherchierten Fall verließ die Sanitätssoldatin das Zimmer auf Geheiß des Arztes zur Intimuntersuchung das Untersuchungszimmer. Von den uns befragten Männern wurde besonders die obligatorische* Anwesenheit mindestens (!) einer nichtärztlichen weiblichen Assistenzkraft (es konnten durchaus auch zwei sein) während dieser Prozedur als besonders belastend und unangemessen empfunden. Zur Intimuntersuchung gehören unter anderem die erzwungene Hodenpalpation (in der Regel von Ärztinnen oder Ärzten ohne entsprechende fachärztliche Kompetenz durchgeführt) sowie, angeblich zur Abklärung einer Phimose, die Nötigung das Zurückziehen der Vorhaut zu demonstrieren – unter den beschriebenen Bedingungen.Obwohl die ZDv 46/1 (die Dienstvorschrift, welche die Durchführung der Musterungsuntersuchung regelt) die Phimoseuntersuchung vorschreibt, hat eine Vorhautverengung laut derselben Dienstvorschrift keinen Einfluss auf die Wehrtauglichkeit. Es ist noch nicht einmal eine konsiliarische Weiterbehandlung vorgesehen (3)! Eine militärische Notwendigkeit ist für diese Untersuchung also auch nach den eigenen Kriterien der BW nicht gegeben, dennoch wird sie zwangsweise durchgeführt!

Verletzung der Intimsphäre und des Schamgefühl, welches gerade bei jungen Menschen mitunter noch sehr stark ausgeprägt ist, war und ist bei den Untersuchungen mit einkalkuliert und an der Tagesordnung. Dass diese Vorgehensweise nicht willkürlich erfolgte, sondern dass es sich hierbei um systematisches Vorgehen handelt, belegt eine bisher nur mündlich vorliegende Anweisung des Leitenden Medizinaldirektor Bernhard Rymus vom Bundesamt für Wehrverwaltung aus dem 2009. Diese besagt, dass der Sichtschutz während Google Mail – Pressemitteilung der DGMG vom 09.02.2011 https://mail.google.com/mail/?ui=2&ik=6b30766167&view=pt&search… 2 von 6 06.04.2012 19:41 der Intimuntersuchung ganz entfernt werden soll. „Das weibliche Assistenzpersonal solle so die gesamte Untersuchung bis ins letzte Detail mit verfolgen können (4). Begründet wurde diese Maßnahme mit dem „Forensischen Prinzip (5)“. Beschwerden sollten so aufgrund der Zeugenlage auf jeden Fall erfolglos verlaufen (6).

Die psychischen Folgen einer solchen Nötigungssituation, die von einigen Experten auch als „Musterungstrauma“ (u. a. Stephan Marks in „Scham – die tabuisierte Emotion“, Patmos 2007) bezeichnet werden. sind bisher noch gar nicht eingehend systematisch untersucht worden. Daher haben wir uns zu dem Thema mit Psychologen in Verbindung gesetzt und dabei die Untersuchungsmodalitäten der Musterung dargestellt. Prof. Dr. phil. Rainer Mausfeld, ist Universitätsprofessor und Leiter des Instituts für Allgemeine Psychologie an der Universität Kiel. Er hat sich mit den psychologischen Methoden in der Welt der Militärs befasst und wissenschaftliche Arbeiten zu dem Thema veröffentlicht. Zur Praxis der erzwungenen Intimuntersuchungen bei Männern inklusive der Anwesenheit oft recht junger weiblicher Zuschauerinnen , wie sie in den KWEÄ und den Sanitätszentren der BW gehandhabt werden, äußerte er sich bei einem e-Mailverkehr im Januar 2012 folgendermaßen: “Es handelt sich nach meiner Einschätzung dessen, was Sie schreiben, eindeutig um eine systematische und zwangsweise Form der Erniedrigung und eine solche steht eindeutig zu allen entsprechenden rechtlichen Regelwerken im Widerspruch. Denn diese beziehen sich nicht nur auf den Extremfall der Folter, sondern ausdrücklich auf jede Form unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung.” “Da die untersuchte Person zum Objekt degradiert wird und keine Möglichkeit mehr hat, aus freiem Willen eine als erniedrigend empfundene Situation zu verlassen, stellt eine solche Situation etwas grundlegend anderes dar, als etwa eine freiwillige medizinische Untersuchung, die das Schamgefühl verletzt”. “Mit psychischen Traumatisierungen ist bei einer solchen Prozedur und den hohen Fallzahlen in jedem Fall zu rechnen, so daß empirische Studien nur ein genaueres Bild über Häufigkeit und Schwere liefern könnten”. Bei der Bundeswehr und in den KWEAs ist die Anwendung des forensischen Prinzips, wie es im zivilen Leben gehandhabt wird, unter den Vorzeichen von Zwang, amtlicher Weisungsbefugnis und militärischer Befehlsgewalt zu einem System der sexuellen Demüti-gung der (überwiegend) jungen Männer geworden! Auch gegen weitere sexuelle Übergriffe, die über das Untersuchungsritual hinaus gehen, sind die Männer nicht geschützt. Dies durch die Anordnung von Herrn Rymus ebenfalls ausgeschlossen! Glauben Sie, dass unter solchen Umständen sich bei Männern eine hohe Akzeptanz für tatsächliche Vorsorgeuntersuchungen, die ihren Namen verdienen, entwickeln wird?

Mitte 2009 wurde eine Umfrage unter niedergelassenen Urologinnen in Deutschland gestartet. Gefragt wurde, wie die Befragten einfache urologische Untersuchungen durchführen, die keinerlei medizinischer Assistenz bedürfen.

Alle Antworten lauteten entweder a) ohne Anwesenheit einer dritten Person im Raum oder b) Anwesenheit einer Assistentin aber hinter einer Trennwand. Mehrere Urologinnen zeigten sich entsetzt über die geschilderten Musterungsmodalitäten und äußerten von sich aus dass sie schon des Öfteren im Bekanntenkreis und auch von Patienten über genau diese Modalitäten gehört haben und so langsam glauben dass auch diese Erlebnisse in jungen Jahren mit ein Grund sein können, weshalb so viele Männer den Gang in urologische Praxen scheuen.

Kein Wunder, widerspricht diese Art der Durchführung doch allen Grundsätzen, zu denen sich Ärztinnen und Ärzte in ihrer Berufsordnung verpflichtet haben. Diese gilt laut § 23 Absatz 1 auch für „für Ärztinnen und Ärzte, welche ihre ärztliche Tätigkeit im Rahmen eines öffentlich- rechtlichen Dienstverhältnisses ausüben.“- also auch für diejenigen, die bei der BW oder ihrer Wehrbehörden tätig sind (7). Bei unserer Kampagne gegen die erzwungenen Intimuntersuchungen haben auch wir uns dafür ausgesprochen, gerade auch junge Männer zur freiwilligen Vorsorge, die aber dann selbstverständlich unter anderen Modalitäten durchgeführt werden muss, zu motivieren (8). Genau wie bei Frauen sollten die urologischen Vorsorgeuntersuchungen für Männer auch von Anfang an von richtigen Fachärzten vorgenommen werden. Wenn an diesem Punkt schon die Ärzte die Qualifikation nicht so Google Mail – Pressemitteilung der DGMG vom 09.02.2011 https://mail.google.com/mail/?ui=2&ik=6b30766167&view=pt&search… 3 von 6 06.04.2012 19:41 ernst nehmen, wieso sollten dann junge Männer es bei der Untersuchung tun? Reicht es wirklich aus, wenn junge Ärztinnen und Ärzte nach ihrem Universitätsabschluss direkt als Musterungsarzt oder -ärztin noch mal eine mehrwöchige Einweisung in die musterungsspezifischen Aspekte ihrer künftigen Tätigkeit erhalten und danach im Extremfall nie wieder an einer medizinischen Fortbildung teilnehmen, drauf los „grapschen“ während die Männer von der weibliche Assistenzangegafft werden und „so die gesamte Untersuchung bis ins letzte Detail mit verfolgen können“, bloß weil das männliche Genital überwiegend „außerhalb des Körpers liegt und damit hinreichend palpabel ist“, wie uns offizielle Stellungnahmen seitens des BMVg Glauben machen wollen?(9) Sicher sind auch in einigen Fällen auch Erkrankungen wie beispielsweise Hodentumore erkannt worden. Dieser Umstand diente bereits in der Vergangenheit für die BW als Legitimation für die Intimuntersuchung. Einige hatten es damit aber übertrieben.

Ärztliche Autoren der Wehrmedizinischen Monatszeitschrift, allesamt keine urologischen Fachärzte, beschäftigten sich zum Beginn des letzten Jahrzehnts in zwei Ausgaben der Zeitschrift (10 und 11) mit diesem Thema ‘Musterung als Praevention’ Roemer et al und versuchten in ihren Artikeln die Intimuntersuchung während der Musterung als hervorragendes Instrument zur Frühdiagnostik anzupreisen. Dazu arbeiteten sie sogar mit einer manipulierten Statistik! Die Inzidenz bei Hodentumoren liegt, wie Sie selbst am Besten wissen, im Durchschnitt zwischen 7 – 10/100000 insgesamt. Die Autoren der Wehrmedizinischen Monatszeitschrift hingegen wollten laut ihrer Statistiken allein bei der Gruppe der 19jährigen Männer, eine Prävalenz von 222/100000 im Jahr 1983, 173/100000 im Jahr 1987 und 222/100000 im Jahr 1998 aufgrund der Intimuntersuchung während der Musterung festgestellt haben. Also ungefähr 20 mal so viel, wie bundesweit insgesamt! Auch einige andere Zahlenspielchen sind mit Vorsicht zu genießen (10 und 11). Sicher ist jede Erkrankung, die rechtzeitig erkannt wird wichtig und für den Betroffenen wertvoll. Aber kann dies nicht auch im Rahmen ziviler fachärztlicher Vorsorge geschehen? Und wie sieht es im Umkehrschluss aus? Wie viele Tumore, u. a. Krankheiten werden aufgrund fehlender fachärztlicher Qualifikation nicht erkannt? Wird hier nicht eine Scheinsicherheit seitens der BW vermittelt, wenn sie ihre sehr spezielle Form der Intimuntersuchung als Vorsorge kommuniziert?

Es bleibt festzuhalten, dass es sich bei der Musterung keineswegs um eine Vorsorgeuntersuchung, sondern laut ZDv 46/1 (12) um einen reinen medizinischen Test zur militärischen Tauglichkeit handeln soll. Von Vorsorge steht dort kein Wort – zurecht! Wie rechtfertigt die Bundeswehr diese Art der Intimuntersuchungen rechtlich? Hierzu har es in der Vergangenheit wiederholte Anfragen gegeben. Beispielhaft sei auf folgende Stellungnahme von Herrn Kossendey vom 07.06.2007 eingegangen, welche dieser auf eine kleine Anfrage von Frau Pilz, MdB gegeben hat: „Aus der Verfassung ist kein Anspruch abzuleiten, von einem Arzt gleichen Geschlechts untersucht oder behandelt zu werden. Einfach gesetzliche Regelungen liegen ebenfalls nicht vor. Ebenso wenig gibt es Kasuistiken zu dieser Rechtsfrage, da sie offenbar bis heute nicht vor Gerichte getragen wurde…. “Bereits in diesen ersten zwei Sätzen seiner Antwort sind zwei Unwahrheiten enthalten. Es gibt sehr wohl eine sehr einfache gesetzliche Regelung, die Untersuchungen des Intimbereichs, welche durch staatliche Behörden angeordnet wird (13).

Der Gesetzgeber hat in diesem Gesetz Mindeststandarts für gerichtlich angeordnete Intimuntersuchungen festgelegt, die den Schutz der Würde und des Schamgefühls der Betroffenen schützen soll. Es beinhaltet ausdrücklich das Recht auf Anwesenheit einer gleichgeschlechtlichen Person und bei berechtigtem Interesse auf einen Arzt eines bestimmten Geschlechts bei diesem Eingriff. Und – genauso wichtig – die Regelung, dass darauf vor der Untersuchung der Betroffene aufgeklärt werden muss, auch dann wenn er in die Untersuchung einwilligt! Genau dies wird den Männern von den Behörden verweigert! Dieses Gesetz bezieht sich ohne Unterscheidung auf Beklagte wie auf Opfer und wurde geschlechtsneutral formuliert. Es gilt also für beide Geschlechter gleichermaßen. Bis 2004 wurden mit dieser Regelung nur Frauen als Betroffene erfasst. Dennoch wurde auch bereits zu diesem Zeitpunkt das Gesetz bei Männern angewendet. Google Mail – Pressemitteilung der DGMG vom 09.02.2011 https://mail.google.com/mail/?ui=2&ik=6b30766167&view=pt&search… 4 von 6 06.04.2012 19:41

Rechtskommentatoren waren zu diesem Zeitpunkt schon der Auffassung, dass auch für Männer ein solcher Schutz des Schamgefühls und der Würde gelten müsse und leiteten dies direkt aus dem Artikel 1 GG ab, welcher als unmittelbar geltendes Recht angesehen wird. Das BMVg bestreitet die juristische Relevanz für seinen Bereich. Aber kann es sein, dass der Gesetzgeber den Schutz von der Würde und des Schamgefühls von Soldaten und Wehrpflichtige schlechter stellt als Strafgefangene? Eine militärische Notwendigkeit ist als Grund für diese Einschränkung ist ebenfalls nicht ersichtlich. Frauen, die stets nur aufgrund des eigenen freien Berufswunsches bei der Bundeswehr tätig sind, sind von dieser Art der Intimuntersuchung ausgenommen. Und zwar aufgrund derselben ZDv 46/1, die auch die Untersuchung der Männer regelt und einer, in diesem Fall schriftlich vorliegenden Anweisung von Herrn Rymus (!) vom 14.06.2011 (14). All die Erkrankungen, deren Feststellung bei Männern angeblich so wichtig sind (Fehlbildungen des Genitalbereichs, Parasitenbefall, Infektionen usw.), spielen plötzlich beim weiblichen Geschlecht keine Rolle mehr. Auf die Situation der psychologischen Testung von Bewerberinnen und Bewerber werden die Regelungen des 81d gemäß einer Anweisung vom 13.05.2011 ebenfalls übertragen! (15) Warum hält man dagegen geradezu zwanghaft an der unwürdigen Praxis der Intimuntersuchung bei Männern fest? Teilen Sie immer noch die Auffassung von Herrn Prof. Dr. Sommer bzgl. der Musterung als Vorsorgeuntersuchung? Vielleicht können Sie als Institution mit fachlicher Kompetenz die Verantwortlichen im BMVg und der Wehrbehörden um Stellungnahme bitten? (16). Bitte setzen Sie sich für eine qualifizierte und Vorsorge auch für junge Männer, welche als Kassenleistung angeboten wird, ein, die mit Anstand und Würde durchgeführt wird.

Für eine Antwort wäre ich Ihnen sehr dankbar.

Mit freundlichen Grüßen

Gez.

Lars G Petersson

*BASTA * – * Kampagne gegen die Erniedrigung bei der Musterung *

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Schreiben an DGU 01.12_Anlage 1.pdf,  Schreiben an DGU 01.12_Anlagen 2 und 3.pdf, Schreiben an DGU 01.12_Anlage 4.pdf, Schreiben an DGU 01.12_Anlage 5.pdf, Schreiben an DGU 01.12_Anlage 6.pdf, Schreiben an DGU 01.12_Anlage 7.pdf, Schreiben an DGU 01.12_Anlage 8.pdf, Schreiben an DGU 01.12_Anlage 9.pdf, Schreiben an DGU 01.12_Anlagen 10 bis 16.pdf, Google Mail – Pressemitteilung der DGMG vom 09.02.2011, https://mail.google.com/mail/?ui=2&ik=6b30766167&view=pt&search…

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Stefan.Mueller@ukb.uni-bonn.de <Stefan.Mueller@ukb.uni-bonn.de> Tue, Feb 21, 2012 at 5:30 PM

To: musterung@googlemail.com

 

Sehr geehrter Herr Petersson,

persönlich und in Absprache mit dem Vorstand der DGU teilen wir Ihre Meinung, wonach die Musterung junger Männer in einem menschlich und medizinisch normalen Umfeld stattfinden sollte. In jedem Fall sollten entsprechend geschulte Ärzte und Ärztinnen diese Untersuchungen durchführen. Dabei muss berücksichtigt werden, dass der Anteil an Frauen im Medizinstudium bereits bei 75 % liegt und auch der Anteil an Urologinnen stark zunimmt.

Dem Leitspruch meines alten Chef folgend: “Durch die Hose keine Diagnose” ist die körperliche Untersuchung am völlig entkleideten Menschen notwendig um gerade im urologischen Gebiet Krankheiten und Auffälligkeiten zu erkennen. Dabei geht es wie Sie richtigerweise bemerken nicht unbedingt um Hodentumore, aber auch um kongenitale Erkrankungen wie den M. Klinefelter, Hypospadien geringer Ausprägung, kongenitale Penisdeviationen, die Varicocele und letztlich auch um die Phimose.

Junge Männer in der Pubertät (und auch danach) sind oft sehr schamhaft. Gemäß neuerer Statistiken wenden sie sich nicht mehr an den Pädiater, sondern eher an den Hausarzt der Familie, wenn es zu gesundheitlichen Problemen im urologischen Gebiet kommt.

Die Deutsche Gesellschaft für Urologie ist sich hier sehr wohl Ihrer Aufgabe bewusst, mehr Aufklärung in die Bevölkerung zu bringen und wird sich diesem Thema auch auf der diesjährigen Jahrestagung im September widmen. In einem eigenen Forum: “Der junge Mann” wird sich ein Beitrag mit dem Thema der “Jungensprechstunde” befassen.

Ihr Vorschlag eine qualifizierte Vorsorge auch für junge Männer als Kassenleistung einzuführen, die die Praxis der Musterungsuntersuchung ersetzt, fällt bei uns auf fruchtbaren Boden.

Mit freundlichem Gruß

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Stefan C. Müller

Präsident der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU)

Direktor

Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie

Universitätsklinikum Bonn

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OFFENER BRIEF:

http://176.32.230.52/larsgpetersson.com/military-abuse/briefe/offener-brief-an-dgu/

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